Kleine Informationsveranstaltung “Flüchtlingshilfe”

„Warum haben Sie Ihre Frau und die Kinder nicht mit nach Deutschland gebracht?“

oder

„Wie finden Sie die Deutschen?“

Das und noch Einiges mehr fragten Schülerinnen und Schüler der 9b am Dienstag, dem 3. Mai, den 26-jährigen Ingenieur Fahdi, einen kurdischen Flüchtling aus Syrien, als er zusammen mit unserem ehemaligen Kollegen/Lehrer Kurt Stynen, StD i.R., in den Englisch und Politik-Unterricht der Klasse 9b von Frau Rosenberry und Frau Kutscher kam, um seine Geschichte zu erzählen und über die Situation der Flüchtlinge und der Flüchtlingshilfe in Kleve zu berichten.

Als Gäste besuchten diesen Vortrag außerdem Herr Möllmann vom Kindernetzwerk Kleve, das die Schule bei der Arbeit mit Flüchtlingskindern unterstützt, drei Flüchtlingskinder unserer Schule, die schon recht gut Deutsch sprechen, Herr Fluck Senior, ehrenamtlicher Deutschlehrer für Flüchtlingskinder am Stein, Frau Kreutz unsere Deutsch als Zweitsprachen-Lehrerin und Herr Birkemeier.

Herr Stynen, der auch für die Klever Tafel tätig ist, erzählte anschaulich und spannend, so als hätte er nie mit dem Unterrichten aufgehört, was er als Flüchtlingshelfer macht, wie er materiell und ideell hilft, z.B. bei Behördengängen, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, in der Vermittlung zwischen Menschen, beim Beschaffen von Möbeln, Wörterbüchern u.ä. und beim Aufbau von Hilfsnetzwerken, manchmal auch einfach nur durch Zuhören. „Es fühlt sich gelegentlich wie ein Vollzeitjob an“, sagt er schmunzelnd.

Flüchtlingshilfe, fügte er aber hinzu, hilft nicht nur Flüchtlingen, sondern gibt auch den Helfern sehr viel. Er selbst hat viel Anerkennung und Dank erfahren und genießt das gute Gefühl, eine Aufgabe zu haben oder gebraucht zu werden. Es sind Menschen wie Kurt Stynen, die sich bundesweit engagieren, damit Integration einfacher, z.T. überhaupt erst möglich wird. Er rät allen, so wie er es selbst erfahren hat, einen Schritt auf die Flüchtlinge zuzugehen, in Kontakt mit ihnen zu treten, Hemmschwellen und Ängste abzubauen. „Sprecht z.B. im Sportverein solche Kinder doch einfach mal an. Das ist für Euch vielleicht leichter als für sie.“ Natürlich, sagt er, gibt es Missverständnisse und Unterschiede zwischen den Kulturen, die im Dialog aber eher aus dem Weg geräumt oder toleriert werden können.

Es wurde auch über die politische Flüchtlingssituation allgemein gesprochen, im Mittelpunkt aber stand die Geschichte von Fahdi. Die Flucht über das Meer wäre für seine Frau und die Kinder zu gefährlich gewesen, antwortet er auf die Schülerfrage. Die Familie konnte nur das Leben eines Mitglieds aufs Spiel setzen, und Fahdi hätte ohnehin in den Krieg gemusst. Er, der Vater, hatte auf der Flucht die besten Überlebenschancen, und die Flucht in eine völlig ungewisse Zukunft durch viele Länder mit vielen verschiedenen Sprachen war nicht leicht. Und die Deutschen findet er so unterschiedlich wie die Finger einer Hand unterschiedlich sind (arabisches Sprichwort?). Jeder Mensch ist anders, es gibt solche und solche. Seine Religion habe er bei der Flucht an der Grenze gelassen. Er wollte nur Frieden, wie seine Familie auch. „Gott ist in unseren Herzen.“

„Es war sehr interessant und bewegend“ sagten mehrere Zuhörer des Vortrags hinterher.

Wer sich als Flüchtlingshelfer engagieren möchte, melde sich bitte bei Herrn Stynen (über da Sekretariat), Frau Matthias, der SV oder Lea Janssen (Q1).