das moderne Gymnasium mit Tradition
 
Online Interview mit Eva Weyl

Online Interview mit Eva Weyl

Am Donnerstag, den 9. Dezember 2021, hat sich Frau Weyl für die Schülerinnen und Schüler der Q1 des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums Zeit genommen, um aus ihren Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs und ihren Aufenthalt im Durchgangslager Westerbork (Niederlande) zu berichten.
Hierzu versammelten sich die Schülerinnen und Schüler in der Aula, wo Frau Weyl per Videochat hinzugeschaltet wurde, da sie aufgrund von Corona und ihrem Wohnsitz in Amsterdam nicht vor Ort sein konnte.

Eva Weyl wurde 1935 in den Niederlanden geboren. Ihre Mutter kam gebürtig aus Freiburg und ihr Vater aus Kleve. Anders als andere Familienmitglieder, die nach Großbritannien oder Amerika flüchteten, flohen sie aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Arnheim. Sie dachten, die Niederlande sei, wie bereits im Ersten Weltkrieg, neutral. Ihr jüdischer Vater besaß dort ein Textilgeschäft vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Sie erlebte die Diskriminierung der Juden und berichtete von Situationen aus der Schule, bei der die nicht-jüdischen Schüler gewissenlos jüdische Mitschüler schikanierten. Wie es das Schicksal wollte, musste sich ihre Familie in das Durchgangslager Westerbork begeben. Aufgrund des jungen Alters war die Situation für Frau Weyl damals unverständlich. Ihre Eltern beschützten sie, indem sie ihr stets Mut zusprachen und versuchten ihr nicht bewusst zu machen, was eigentlich vor sich ging, um sie von der bitteren Realität zu bewahren. „Als Kind nimmt man Situationen anders wahr“ erzählte Frau Weyl und beschrieb anhand eines Plans, wie das Lager aufgebaut war und wie man als Inhaftierte/r gelebt hat. Sie ging auf die Baracken und die Arbeit ein, die die Insassen absolvieren mussten. Männer und Frauen wurden getrennt, die Baracken waren zum Teil überfüllt, sodass manche viele Nächte auf dem Boden schlafen mussten. SS Soldaten sowie auch niederländische Polizeibehörden überwachten die jüdischen Gefangenen Tag und Nacht. Es gab dort ein Geschäft, in dem das Nötigste verkauft wurde und auch ein Krankenhaus, wo man scheinbar gesund gepflegt wurde, bis man einen Aufruf bekam und deportiert wurde. Frau Weyl bezeichnet dieses System als „Paradox“, da Juden im Krankenhaus gepflegt wurden, um nachher in KZ-Lagern umgebracht zu werden. In dieser „Scheinwelt“, wie Frau Weyl es beschreibt, lebten rund 17.000 Juden und es wurde drauf geachtet, dass sie nicht wussten, was sie noch erwarten würde.
Frau Weyl und ihre Familie hatten Glück, da sie nicht vor der Befreiung der Niederlande durch die Alliierten deportiert wurden.
Nach dem Krieg hat sie die Realschule abgeschlossen und später ihren Mann in der Schweiz kennengelernt. Sie lebt nun in Amsterdam und berichtet an Schulen von ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg und im Durchgangslager Westerbork. Immer wieder betont sie, wie wichtig es ist, dass den Zuhörern klar wird, was passiert ist, sodass diese Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten.
Sie legt großen Wert darauf, dass man von Fehlern aus der Vergangenheit lernen und die Freiheit schätzen solle, denn im Grundgesetz steht nicht umsonst „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Wir möchten uns zum Schluss noch einmal herzlich bei Frau Weyl für Ihre Präsentation und das Erzählen Ihrer Geschichte aus ihrer Kindheit bedanken. Es hat uns Freude bereitet Ihnen zuzuhören und sicherlich werden nicht nur wir, sondern alle anderen Schüler und Schülerinnen, die Ihre Geschichte kennen, Vieles von Ihnen lernen können.

von Lotte Kleuters

 


 

Im Folgenden sind Eindrücke anderer Schülerinnen und Schüler zu finden:

„Ich persönlich fand es sehr beeindruckend, dass Eva Weyl ihre ganze Geschichte, die sich vor ungefähr 77 Jahren abgespielt hat, noch so genau erzählen konnte. Auch fand ich es interessant, wie sie den Krieg als Kind empfunden hat und es hat mich vorfallen geschockt, wie viel Glück sie und ihre Familie hatten, dass sie dann doch nicht zu einem Konzentrationslager deportiert wurden und schlussendlich alles überlebt haben“.
Eva vdH

„Ich persönlich fand es interessant, die Eindrücke von Frau Weyl geschildert zu bekommen , da ich mich zuvor ziemlich schlecht in solche Situationen hineinversetzen konnte, die weit in der Vergangenheit liegen. Des Weiteren fand ich es auch beeindruckend, dass sie über die Erfahrungen so offen berichtet und uns daran teilhaben lassen hat“.
Marie J.

„ Meines Erachtend war der Vortrag der Zeitzeugin Eva Weyl sehr bewegend und prägend. Insbesondere hat mich die Geschichte bezüglich der Brillianten, die als Knöpfe an ihrem Mantel getarnt wurden, berührt. Umso schöner finde ich, dass sie den Ring, der mit den Brillianten versehen ist und den sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat, nun in Erinnerung immer steht’s bei sich trägt. Den Gedanken, den Ring zukünftig der Gedenkstätte Westerbork zu übergeben, betrachte ich als ein bewegenden Augenblick für die von ihr aufgerufenen „Zweitzeugen“. Die Anzahl der ermordeten Juden, der Aufbau des Lagers und die fürchterlichen Lebensverhältnisse haben mich persönlich schockiert und erschüttert. Resümierend war es in meinen Augen ein Vortrag, der mich in Sprachlosigkeit versetzt hat und mir zudem in Erinnerung bleiben wird“.
Maya A.

„Ich finde es sehr beeindruckend, dass Frau Weyl gemeinsam mit der Enkelin des Kommandanten heute Aufklärungsarbeit leistet. Auf diese Weise bewahrt sie die Erinnerung an die Taten der Nationalsozialisten und die Opfer des Krieges für unsere Generation und setzt gleichzeitig ein Zeichen für Toleranz und Vergebung“.
Jette D.

„Frau Weyl hat einen sehr bewegenden Vortrag gehalten, in dem sie uns an ihren traumatischen Erfahrungen teilhaben ließ. Es ist beeindruckend, wie Frau Weyl es schafft, mit ihren erschütternden Erfahrungen umzugehen und uns davon zu berichten. Die Art, wie sie erzählt, hat mich sehr berührt, da sie und als Zuhörer direkt angesprochen hat. Ich bin sehr dankbar, dass ich die. Möglichkeit hatte, an ihrem Vortrag teilnehmen zu dürfen“.
Lotte J.

Ich finde die Geschichte, die Frau Weyl uns über ihre Kindheit zu der Zeit des Zweiten Weltkrieges erzählt hat, sehr interessant, denn ich glaube, wir können uns gar nicht wirklich vorstellen, wie es war, zu so einer Zeit gelebt zu haben. Vor allem hat mir gefallen, dass sie uns mit auf den Weg gegeben hat, dass wir nichts für die Vergangenheit der Deutschen können, dass wir aber entscheiden, was wir mit der Zukunft der Deutschen machen“.
Nina H.

„Ein sehr spannender Bericht und sehr mitreißend. Es ist schön, einen der letzten Zeugen dieser Zeit live zu hören und ihre Geschichte weiter zu geben, damit diese nicht vergessen wird.“
Jan N.

„Wenn man die Geschichte von Frau Weyl hört, dann bekommt man Gänsehaut am ganzen Körper, denn man kann nicht glauben, dass diese schrecklichen Dinge und Taten in der Wirklichkeit passiert sind. Es ist so bewegend, wie sie erzählt und macht nochmal sehr deutlich, dass sich so eine grausame Geschichte nie wieder wiederholen darf und dass wir, wie Frau Weyl uns nannte, als „Zweitzeugen“ die wichtige Aufgabe haben, dafür zu sorgen, dass diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten“.
Muriel R.