IntegraTANZ – ein besonderes Kooperations-Tanzprojekt in Kleve – vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert

Wer geht schon freiwillig in den Ferien zur Schule? – Keiner! – Doch! 12 Jugendliche des ChanceTanz-Projekts IntegraTANZ.

„Ohne Tanzen können wir nicht leben“, sind sich Batul, Raghad und Yara einig. Sie und noch andere Schülerinnen und Schüler der Internationalen-Vorbereitungs-Klasse des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums sowie einige deutsche Teilnehmerinnen des Projekts waren fünf Tage in den Osterferien täglich sechs Stunden in der Turnhalle, um mit dem Tänzer Bilal Bachir und der Tanzpädagogin Tamara Kutscher zu trainieren, um Tänze zu entwickeln und einzustudieren. Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten sie bei einer Aufführung am 19.4. im Forum der Schule.

Im Projekt ging es um Integration durch und mit Tanz und um Chancen, die sich durch Tanz erfahren lassen. Die tänzerische Zusammenarbeit von Flüchtlingen und Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund half, die Anderen und das Andersartige kennen zu lernen, Sprachbarrieren zu überwinden und Berührungsängste abzubauen. „Wir wollen vom Schubladendenken in verschiedenen Formen wegkommen, das Integration oft nicht gelingen lässt“, erklärt Bilal Bachir, Tänzer aus Stuttgart, der in Arnheim Tanz studiert hat, derzeit u.a. in der Compagnie von Alida Dors in Amsterdam arbeitet und eigens für das Projekt zwischen Auftritten dort und dem Libanon nach Kleve gereist ist. “Den eigenen, persönlichen Ausdruck zu finden, stand im Vordergrund, nicht das Erlernen vorgefertigter Techniken.“ Somit konnten sich die Teilnehmer als Individuen begegnen statt primär als Angehörige zu einer bestimmten Gruppe.

Eingebettet ist das Unternehmen in ein größeres Vorhaben, das gefördert wird von „ChanceTanz“, einem Projekt des „Bundesverband Tanz in Schulen e.V.“ im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das um Bündnisse für Bildung wirbt. Bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche sollen durch Tanz eine Chance bekommen, Kunst und Kultur zu erleben und mitzugestalten. Von einer Bundesjury ausgewählte Projekte werden voll finanziert und bekommen sogar Besuche von Tanzaufführungen spendiert. So war die Gruppe z.B. Anfang April als Zuschauer bei den „Duisburger Tanztagen“ und dem Klever „Streetbeat“-Festival. Die Bündnispartner im lokalen Projekt waren das Klever Kindernetzwerk, die Arbeiterwohlfahrt und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium aus Kleve. Unterstützt wurde das Projekt außerdem von Studienrat Benno Köhler und der Technik-AG des Stein-Gymnasiums (Licht- und Tontechnik), Bernhard Fluck (Rezeptionsbegleitung), Anna van Heek (Präsentationsbegleitung) und Leander Runde (Einladungs-Poster-Gestaltung).

Die Aufführung begann mit der Präsentation eines zehn Jahre alten Videos eines Schultanzabends am Stein-Gymnasium, das Tamara Kutscher als Keimzelle des aktuellen Projekts sieht: „Damals habe ich zum ersten Mal gespürt und verstanden, warum Tanz für das Miteinander von uns und für die Integration sehr hilfreich sein kann. Wenn ich hier tanze, meine Identität und meine Kultur zeige und diese positiv aufgenommen wird bzw. Anerkennung findet, dann bin ich wirklich angekommen, dann fühle ich mich aufgenommen und gehöre dazu. Und dann fällt es mir vielleicht auch leichter, mich auf Neues und Fremdes einzulassen.“

Es folgte eine einfühlsame Stäbe-Choreografie ohne Musik, bei der sich die Tänzerinnen und Tänzer zunächst verbal vorstellten, z.T. in ihrer Muttersprache. Der Tanz schaffte eine ruhige, konzentrierte und spannende Atmosphäre. Jeweils zwei Kinder unterschiedlicher Herkunft waren durch einen Holzstab verbunden, den sie nicht mit den Händen berühren durften. Geschickt aufeinander eingehend bewegten sie sich um- und miteinander, wobei sich z.T. akrobatische Figuren und kleine Kunststücke ergaben. Es folgte ein fetziger „cooler“ rhythmisch anspruchsvoller hip-hop-artiger Tanz zu Ed Sheerans „Shape of You“, dessen Elemente die Jugendlichen fast komplett selbst entwickelt hatten, z.B. aus den eigenen Namen oder Buchstaben, auch in Arabisch, Kurdisch oder Farsi. Dabei wurde geschlittert, gesprungen, gekickt, und zwar auf allen räumlichen Ebenen und so schnell, dass es das Publikum einfach mitriss. Zum Schluss lud die Gruppe alle Zuschauer zum gemeinsamen Dapka (einem arabischen Reihentanz)-Tanzen ein, und danach wurde auch frei getanzt. „Ich bin stolz auf das, was ihr hier geleistet habt“, sagte Bilal Bachir in seiner Ansprache.

Der Tanz bot eine Chance zu wachsen, Neues zu erleben, die Vielfalt des Tanzes zu spüren und Mut zu entwickeln, sich und seine eigenen Bewegungen auch vor der Gruppe oder den Zuschauern zu zeigen. „Entscheidend in unserem Projekt war der Weg, den wir gemeinsam gegangen sind, nicht so sehr das Ergebnis“ zogen die Leiter des Projekts Bilanz, obwohl auch das bemerkenswert war. „Schwerer als das Tanzen fand ich, die Namen aller Teilnehmer zu lernen“ sagte Madita, eine der Tänzerinnen. Aber auch dieses „Problem“ wurde schließlich bewältigt.