Beeindruckende Lesung mit Theodor Michael

von Nils Looschelders.

Am 25.09. war Theodor Michael zu Gast am Klever Gymnasium und las und besprach sein Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“ mit Oberstufenschülern.

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Theodor Michael las aus seinem Buch

„Fragen, die wir jetzt nicht stellen, können später nicht mehr gestellt werden.“ Dies war die Motivation des Leistungskurs Geschichte unter der Leitung von Nils Looschelders, eine Lesung mit Theodor Michael in der Schule in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde, der VHS und dem Haus der Begegnung zu organisieren. So stand beim ca. zweistündigen Besuch von Theodor Michael auch weniger die Lesung aus seinem Buch im Zentrum als vielmehr das Gespräch über sein Leben als Kind und Jugendlicher in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus sowie Diskussionen über aktuelle Entwicklungen in den USA oder Südafrika, wo Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe immer noch eine Rolle spielen.

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Anschließend folgte eine rege Diskussion mit dem Autor

Dabei blieben die Fragen der Schülerinnen und Schüler keinesfalls an der Oberfläche, sondern regten zur Diskussion und zum Gespräch an. So kam es z.B. zu Fragen nach dem Willen zu überleben in einem solch verbrecherischen System wie dem des Nationalsozialismus, obwohl einem als Verfolgten und aus der „Volksgemeinschaft“ Ausgeschlossenen ja vollkommen unklar bleiben musste, ob dieses System jemals aufhören würde zu existieren. Aber auch eher philosophische Fragen, die das grundlegende menschliche Dasein betreffen, stellten die Schülerinnen und Schüler, als sie Theodor Michael fragten, ob ein „Wir-Gefühl“ und die Abgrenzung von anderen grundsätzlich im Menschen angelegt sei oder ob dies gesellschaftlich anerzogen werde. Dabei zeigte Theodor Michael bei seinen Antworten eine unglaubliche geistige Frische, die Fähigkeit Worte behutsam und überlegt zu wählen und dabei trotzdem auf junge Menschen zugehen zu können. So hätten am Ende der Veranstaltung alle Anwesenden noch stundenlang seinen Erzählungen lauschen können, in denen sich immer wieder auch die so wechselhafte deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert widerspiegelte. Sein Appell an die Oberstufenschüler am Ende, immer von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, zeigte dabei wohl am besten die Verantwortung auf, die junge Erwachsene heute haben, um das zu verhindern, was Theodor Michael widerfahren ist.