Vortrag der Zeitzeugin Eva Weyl

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber es geht darum, was ihr aus der
Vergangenheit macht.“
Am Dienstag, dem 14.05.2019, versammelten sich alle neunten Klassen sowie einige
Interessenten aus der Oberstufe gemeinsam in der Cafeteria, um dem Vortrag der Zeitzeugin Eva
Weyl zu lauschen. Dieser findet alljährlich bei uns an der Schule statt, welche auch schon Frau
Weyls Vater besuchte.
Nach der Begrüßung lauschten wir dann alle gespannt Frau Weyls Bericht:
Frau Weyls jüdische Familie floh schutzsuchend vor dem Naziregime in den 1930er Jahren von
Kleve nach Arnheim in die Niederlande. Dort wurden sie im Jahre 1942 aufgefordert, das
Durchgangslager Westerbork aufzusuchen.
Dieses wurde ab Oktober 1942 unter der Leitung von dem SS-Führer Albert Konrad Gemmeker zu
einer riesigen, perfekt funktionierenden Scheinwelt mit Schule, Krankenhaus, verschiedenen
Läden, einem Spielplatz, Badeanstalten und abendlicher Unterhaltung wie Kabarett umgewandelt.
Sinn und Zweck dieses Scheins war es, Unruhen und Widerstand zu vermeiden und den
Eindruck zu erwecken, man meine es gut mit den im Lager lebenden Juden.
Jedoch war das Lager in Wirklichkeit Ausgangspunkt von insgesamt 93 Zügen zu dem
Konzentrations – und Vernichtungslager Auschwitz.
Im Lager Westerbork schlief man in riesigen Barracken, laut und ohne jegliche Privatsphäre.
Da der Vater von Frau Weyl in der Verwaltung des Lagers eingeteilt war, durfte die Familie im
Laufe ihres Aufenthalts in eine eigene kleine Barracke umziehen. Die Arbeit des Vaters sowie
einige glückliche Zufälle bewahrte sie auch vor der Deportation in ein Vernichtungslager.
„Es gab Gerüchte über die Lager im Osten, dass man dort umgebracht wird, aber man wusste
nicht recht, was man glauben sollte.“
Nach dreieinhalb Jahren wurde das Lager Westerbork am 12. April 1945 von kanadischen
Truppen befreit. Für Frau Weyl ist dies bis heute ein Feiertag.
Die Frage, ob Erinnerungen aus dieser Zeit sie manchmal nachts wach hielten, verneinte Frau
Weyl, berichtete uns jedoch von ihrem schlimmsten Erlebnis aus der Kriegszeit: Nach der
Befreiung des Lagers mussten Menschen, welche Juden für Geld an die Nazis verraten hatten, im
Lager in Häftlingskleidung auf dem Boden liegen und ehemalige inhaftierte Juden schlugen auf sie
ein. Frau Weyl sah dies als kleines Kind mit eigenen Augen an.
Sie betonte während des Vortrags mehrmals, dass sie unglaubliches Glück hatte und ihr viel
Schrecken erspart geblieben ist – trotzdem wäre sie lieber als Christin geboren worden, um
Westerbork nie erlebt haben zu müssen.
Am Ende schärfte uns Frau Weyl ein, dass wir als ‚Zweitzeugen‘ nun auch eine Verantwortung
hätten, nämlich nach Tod aller direkten Zeugen die Mahnungen des Holocaust an kommende
Generationen weiterzugeben.
„So etwas darf nie wieder passieren!“
Wir bedanken uns bei Frau Weyl, dass sie ihre Erlebnisse so eindrücklich mit uns geteilt hat!
Emma Bauer, 9b