Besuch vom Deichgräfen Herrn Beenen

Am 12.Februar besuchte uns, den Geographie Kurs der EP, der Deichgräf Herr Hans-Heinrich Beenen. Er hielt einen Vortrag über den Hochwasserschutz, den er durch eine PowerPoint Präsentation unterstützte.

Der Deichgräf ist ein Ehrenamt, zu dem man sich wählen lassen kann.  Dieses Amt wird alles fünf Jahre vom Verbandsausschuss (Erbentag) gewählt.  Der Begriff Deichgräf ist ein etwas älterer Begriff und bedeutet so viel wie Vorstandsvorsitzender. Herr Beenen ist Deichgräf vom Ortsverband Kleve-Xanten, welcher ca. 79 km Hochwasserschutzanlagen überwacht. Die Hauptaufgabe des Deichgräfen ist der Hochwasserschutz, das heißt, er überwacht zum Beispiel den Pegel des Rheins. Doch das ist nicht alles, es muss sich auch um die Pflege des Deiches gekümmert werden. Doch das ist nicht allein seine Aufgabe, insgesamt hat Herr Beenen 22 Mitarbeiter und er ist sozusagen der Manager. Um die Deichpflege kümmern sich zwei Schäfer mit ihrer Schafherde. Die Deichpflege ist wichtiger als ich dachte, dies überraschte mich. Es gibt regelmäßige Kontrollen des Deiches durch Mitarbeiter und einmal im Jahr findet eine Deichschau statt, in der sich Vertreter der Bezirksregierung die Verfassung des Deiches anschauen. Auch die Überwachung der Schöpfwerke gehört zu den Aufgaben des Deichverbandes.

Die Aufgaben, die die Deichschau erfüllt, wird durch uns Bürger bezahlt. Herr Beenen erklärte uns, dass alle einen Beitrag zahlen müssen, egal ob man bei einem Hochwasser stärker oder eben nicht so stark betroffen wäre. Wie groß der Beitrag ist, den man zahlen muss, hängt jedoch von zwei verschiedenen Faktoren ab: Zum einem liegt es daran wo die Lage des Grundstücks ist. Dass heißt, wenn eine Person nah am Rhein wohnt, muss diese mehr zahlen als eine Person, die weiter weg wohnt, da im Falle eines Hochwassers die Person die näher am Rhein wohnt stärker betroffen wäre. Zum zweiten hängt es davon ab, wie groß das Grundstück ist. Je größer das Grundstück ist, desto höher ist der Betrag, den man zahlen muss. Die daraus entstehenden Deichschaubeträge werden den Leuten jährlich zugesendet. Die Rechnung setzt sich aus den Pumpkosten, Gewässerunterhalten und den natürlichen Ausgaben zusammen.

Herr Beenen ist in seinem täglichen Leben Landwirt. Dieser Beruf nimmt eine Menge Zeit in Anspruch, daher ist es ihm meiner Meinung nach hoch anzurechnen, dass er nebenbei noch ein solches Ehrenamt ausübt. Da Er Landwirt ist, ist es für mich gut vorstellbar, dass ihm der Hochwasserschutz wichtig ist, da im Falle eines Hochwassers auch sein Hof davon betroffen sein könnte und damit auch seine Existenz. Doch auch wenn wir uns wenig Gedanken darüber machen, ist der Hochwasserschutz auch für uns sehr wichtig. Der Deichverband Xanten- Kleve wurde am 1. Januar 1994 gegründet und ist offiziell für 21.650 Menschen und eine Fläche von 264 Quadratkilometer verantwortlich. Da es im Deichverband auch einige Menschen gibt, die keine Deichschau zahlen, liegt die eigentliche Zahl der zu schützenden Menschen weitaus höher.

Der Anfang des Hochwasserschutz liegt im 14. Jahrhundert, doch von damals zu heute hat sich natürlich eine Menge weiterentwickelt. Zur Anfangszeit wurden Baumreihen gepflanzt. Es erfolgten Entwicklungen wie die Dycken-Ordnung im Jahr 1575 oder das erste Klever Deich Reglement. Als nächste Erweiterung wurden dann Sandschichten verwendet, dabei saugt der Deich sich mit Wasser voll und es bestand die Gefahr, dass der Deich brechen könnte. Heute wird der Sand mit einer zwei Meter dicken Lehmschicht umhüllt. Ein Deich muss heutzutage einen Verteidigungsweg haben, wo im Ernstfall Sandsäcke oder anders Hilfsmaterial zu geführt werden kann. Aktuell saniert der Deichverband Xanten-Kleve ca. 38 km Banndeich. Im Jahre 2003 wurde mit der Sanierung angefangen und das Ende ist für 2025 geplant.

Die Kosten belaufen sich auf ca. 4-6 Millionen Euro pro fertiggestelltem Kilometer. Das Land NRW übernimmt 80% der anfallenden Gesamtkosten, den Rest tragen die Verbandsmitglieder als Eigenanteil.

Die Schneeschmelze in den Alpen beeinflusst den Pegelstand bei uns am Rhein. Je mehr Schnee in den Alpen fällt, desto größer ist die anstehende Schneeschmelze. Das hat zu Folge, dass das anfallende Tauwasser den Pegelstand in die Höhe treibt und es hier zu Hochwasser kommt.

Mit den Grenzgebieten zu den Niederlanden ist eine enge Zusammenarbeit vorhanden, um gemeinsam den Hochwasserschutz für die Bevölkerung zu optimieren. Aufgrund ihrer geographischen Lage, die Niederlande liegt unter dem Meeresspiegel, sind unsere Nachbarn auf diesem Gebiet, noch effizienter und weiter verbreitet als wir.  Des Weiteren gibt es kleine Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden, bedingt durch die größere Menge an Wasser in den Niederlanden. Aufgrund dessen werden dort zusätzliche Flutkanäle gegraben, um Wasser schneller abzuführen. In Deutsch-Niederländischen Arbeitsgruppen, findet ein intensiver Meinungsaustausch statt, welcher den Hochwasserschutz dient.

Das letzte starke Hochwasser war 1995 mit einem Pegelstand von 9,84 m. Die Deichtore bei Grieth und Griethausen mussten geschlossen werden, um die Bevölkerung zu schützen. Auf holländischer Seite gab es Überlegungen bzw. Vorbereitungen, Deiche zu sprengen, um z.B. Nijmegen zu schützen.

Ohne den Deichverband bzw. deren Aufgaben, würde bei starken Hochwasser nach 4 Tagen das Wasser bis zum Kaufhof in Kleve fließen können.

Lukas Albers